41. Leverkusener Jazztage 2020
So. 15.11.2020
Tief verwurzelt in der Gitano-Kultur ist Rafael Cortés durch seinen aus Granada stammenden Vater. Und auch wenn er als Sohn von Migranten in Essen aufwächst, erhält er durch häufige Aufenthalte in Andalusien musikalische Infos aus erster Hand. Schließlich existiert gerade in Granada eine äußerst lebendige Form oraler Tradition des Flamenco. Der junge Rafael schult sich bei lokalen Gitarristen, aber auch an der Spielweise von Paco de Lucia, begeistert sich für dessen Durchbrechen des Herkömmlichen und bekennt: „Seit ich Paco entdeckt habe, bin ich ein Neugieriger geblieben.“ Mit 14 entlässt ihn ein Lehrer bereits aus dem Unterricht, da er ihm nichts mehr beibringen kann, denn da hat das Naturtalent längst Klassik, Jazz und Latin- Einflüsse in sein Spiel integriert.

Seit Mitte der Achtziger ist sein künstlerischer Output zu einem beachtlichen Werk angewachsen: Fünf Alben unter eigenem Namen, Filmmusik, Teamworks mit Popstars wie der Spanierin Rosa oder El Cigala, Maria Serrano und Carles Benavent, schließlich ein Aufeinandertreffen mit dem Idol Paco de Lucia bei den Leverkusener Jazztagen. Seine Konzerte werden europaweit mit standing ovations gefeiert. In den letzten Jahren ging für Rafael Cortés ein Traum in Erfüllung: Der Bau eines eigenen Studios. Die Ruhe und künstlerische Freiheit, die er daraus schöpfen kann, ließ sich schon auf dem Album „Parando El Tiempo“ spüren. Nach dem Folgealbum Cagiñi legt der Ausnahmegitarrist nun mit dem Album blanco y negro nach – wiederum mit einem Werk, das Enthusiasmus, Entspanntheit, Souveränität und vor allem große Gefühle ausstrahlt.