WALTER TROUT
`SIGN OF THE TIMES – Part II` European Tour 2026
Große Künstler fühlen den Puls ihrer Zeit – und Walter Trout hält der Wut und den Ängsten unserer Gesellschaft auf Sign Of The Times den Spiegel vor, das am 5. September über Provogue erscheint. Gleichzeitig stellte er seine kraftvolle neue Single „Artificial“ vor.
In seinem halben Jahrhundert als aufmerksamer Beobachter des Alltags und schonungslos ehrlicher Songwriter hat die Blues-Rock-Ikone ihren Fans nie vorgeschrieben, was sie denken, fühlen oder politisch vertreten sollen. Doch in einer Ära, in der seine Heimat USA – und die Welt insgesamt – an den Bruchlinien des modernen Lebens auseinanderzureißen droht, ist das neue, hart rockende Album Sign Of The Times ein Urschrei und ein Ventil für uns alle.
„Ich wollte widerspiegeln, was gerade in der Welt passiert“, erklärt der 74-Jährige. „Für mich ist das Schreiben dieser Songs Therapie. Es geht nicht nur um das, was draußen geschieht, sondern darum, was das in deinem Kopf auslöst. Sign Of The Times war einfach der naheliegende Titel …“
Das Album explodiert förmlich mit der ersten Single und dem Opener „Artificial“ – einer bissigen, satirischen, mit Mundharmonika gewürzten Abrechnung mit der künstlichen Welt, die wir zu erschaffen drohen. „Wir haben künstliche Fotos, künstliche Musik – man könnte endlos weitermachen“, sagt Trout. „KI macht mir Angst. Ich lese Artikel darüber, wie sie im medizinischen Bereich Wunder bewirken soll. Und dann höre ich Bill Gates sagen, dass achtzig Prozent der Arbeitsplätze verschwinden werden. Was passiert dann?“
Kaum waren die Verstärker vom 2024 erschienenen Album Broken abgekühlt – das auf Platz 1 der Billboard-Charts einstieg – drängten die neuen Songs ans Licht. Die zeitdiagnostischen Stücke von Sign Of The Times wollten nicht warten; die dringlichen Riffs flossen ihm förmlich aus den Fingern, unterstützt von Marie, Walters Ehefrau, Managerin und Co-Autorin, die für einige Songs die Texte schrieb. „Dieses Album entstand ziemlich mühelos“, sagt er. „Ich hatte so viele Songideen und stapelweise Texte von Marie. Wir hätten locker ein Dreifachalbum machen können.“
Mit zehn neuen Songs im Gepäck rief Trout seine Studioband zusammen – den langjährigen Schlagzeuger Michael Leasure, Bassist John Avila und Keyboarder Teddy „Zig Zag“ Andreadis – und nahm in den Strawhorse Studios in Los Angeles auf. Das explosive Themenmaterial führte zu einem der härtesten Sounds seiner Karriere. Trout produzierte selbst, gemischt wurde das Album von Klangvisionär J.J. Blair – was dem Ganzen zusätzliche Schärfe verlieh. „Sagen wir es so: Ich hatte richtig Lust zu rocken. Wir hatten schwere Themen – also sind wir auch musikalisch voll draufgegangen.“
Der jüngste Tod des britischen Blues-Paten John Mayall rückt Trouts Zeit bei den Bluesbreakers Mitte der 80er Jahre erneut in den Fokus. „Sein Einfluss auf mein Leben ist kaum zu überschätzen“, sagt er. Schmerz ist für Trout, der 2014 nur knapp durch eine Lebertransplantation gerettet wurde, nie weit entfernt. „Hurt No More ist mein Genesungs-Song – das Sich-Schneiden steht dabei symbolisch für das Sich-Zerstören mit Drogen und Alkohol.“
Mit seinem tänzerischen Gitarrenlick und dem eingängigen Refrain bietet „I Remember“ einen Moment des Innehaltens zwischen den stürmischeren Themen des Albums. „Das Lied ist eine Sehnsucht nach einfacheren Zeiten“, erklärt er. „Als ich 20 war und gerade anfing. Oder als Marie und ich frisch zusammen waren, kein Geld hatten und Gitarren verpfändeten – aber unsterblich verliebt waren und die Zukunft vor uns lag.“
Der titelgebende Song „Sign Of The Times“ gehört zu den experimentellsten Stücken in Trouts fünf Jahrzehnte umfassender Studioarbeit. „Ich wollte, dass es dissonant klingt. Dissonanz ist ein Zeichen unserer Zeit. Marie brachte mir einen Text – und ich merkte sofort, dass er perfekt passte.“ Während „No Strings Attached“ Heuchelei, Engstirnigkeit und Hass anprangert, ist das Album dennoch keine eindimensionale Anklage.
Für Trout, der seine zweite Chance im Leben zu schätzen weiß, gibt es weiterhin Freude, Schönheit – und Schmerz. „Mona Lisa Smile“, eine traumhaft schöne, ländlich anmutende Akustiknummer mit Akkordeon, Mandoline und Violine vom renommierten Streicher-Arrangeur Stevie Blacke, entstand im Traum. „Marie ist stark und kraftvoll – aber es gibt auch diese andere Seite an ihr, die mich noch mehr lieben lässt. Der Song handelt von ihren Momenten der Verletzlichkeit und Selbstzweifel.“
Selbst nach Trouts Maßstäben ist Sign Of The Times ein Album, das emotional durchrüttelt. Doch solange es eindringliche und relevante Musik gibt, besteht Hoffnung.
Als lebenslanger „Road Warrior“ wird Trout das Material 2025 weltweit auf die Bühne bringen. Für diese zwei Stunden auf der Bühne verschwinden politische Gräben und Kulturkämpfe – und ein Publikum, das vielleicht wenig gemeinsam hat, wird zu einer Gemeinschaft von Seelen.
„Ich könnte in den sozialen Medien sehr explizite Beiträge schreiben“, sagt er. „Aber ich will nicht zur Spaltung beitragen. Wenn ich auf der Bühne einen Blues in Moll spiele, nach unten in die erste Reihe schaue und dort ein stämmiger Biker steht – und weint –, dann erreiche ich ihn in unserer gemeinsamen Menschlichkeit. Und dann ist es egal, wen er gewählt hat. In diesem Moment sind wir alle gemeinsam hier.“







